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Atem
Ein kurzes Treffen mit sich selbst

Atem ODER ein kurzes Treffen mit sich selbst

Ein Artikel von Evelyn Rodtmann

Erscheinungsdatum: 09. Januar 2018
Schlagwörter: Atem

 

Der Atem gehört zu den Dingen im Leben, die immer da sind und doch gleichzeitig fast nie da sind. Wir atmen alle, sind uns aber nur selten dessen bewusst. Brauchen wir ja auch nicht. Wir, oder besser, es atmet, ob wir es bemerken oder nicht.

Warum spielt dann der Atem so eine große Rolle in fast allen Meditationsformen? Auch in meinen MBSR-Kursen beginnen alle Übungen mit der Wahrnehmung des Atems. Achtsamkeit auf den Atem ist der Einstieg in jede Achtsamkeitsübung und manchmal bleiben wir auch mit der Wahrnehmung während der gesamten Übung beim Atem.

Dabei geht es nicht darum, tiefer, besser oder auf eine bestimmte Art und Weise zu atmen. Achtsamkeit bedeutet wahrzunehmen, was gerade ist: den Atem, wie er ein- und ausfließt, unsere Körperempfindungen, Gefühle, den Fluss unserer Gedanken sowie die Situation, in der wir uns befinden. In der Meditation bzw. Achtsamkeitsübung wechseln wir vom Tun-Modus zum Sein-Modus und stärken so die Fähigkeit, uns bewusster wahrzunehmen, ohne gleich einzugreifen, Urteile abzugeben oder gedanklich in eine neue Geschichte einzusteigen. Sitzen, atmen, alles kommen und gehen lassen - das wirkt oft schon entspannend auf den Körper und beruhigend auf Gedanken und Gefühle.

Das klingt einfach, ist aber nicht leicht. Gerade die Gedanken machen uns dabei oft einen Strich durch die Rechnung. Sie tragen uns weg in Zeit und Ort: wir sind dann in der Vergangenheit und erinnern uns oder in der Zukunft und planen etwas, denken an bestimmte Personen und Situationen und beurteilen diese, ärgern uns dann oder freuen uns - kurz: wir sind sehr beschäftigt im Geist und oft nicht da, wo wir eigentlich gerade sind. Dann hilft uns der Atem: er ist wie ein Anker, der uns an den gegenwärtigen Moment bindet. Wir können nicht bewusst den Atem wahrnehmen, das ständige Einatmen und Ausatmen und gleichzeitig in unseren Gedankengeschichten unterwegs sein. Die Achtsamkeit auf den Atem hilft uns, einmal nicht den Gedanken zu folgen, sondern bei uns zu bleiben. Je besser uns das gelingt, desto mehr können wir innerlich zur Ruhe kommen.

Diese Erkenntnis setzt sich auch in der Vorsorge und Behandlung von stressbedingten Problemen immer mehr durch. "‚Mit einer achtsamen Atmung können wir unser inneres Befinden besser wahrnehmen und in Richtung Ruhe und Gelassenheit ändern’, beschreibt es der Neurowissenschaftler Ulrich Ott … Experte für die Hirnvorgänge beim Meditieren“, ("Meditation. Entspannung in hektischen Zeiten", Psychologie Heute, Dezember 2010, S. 22 u.26). Die MBSR – Kurse „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ setzen genau da an. In 8 Wochen wird Achtsamkeit geübt und eine gelassenere Haltung in stressigen Situationen entwickelt. Der Atem ist dabei der rote Faden.

Versuchen Sie es doch gerade einmal - auch wenn es schwer fällt, das Lesen, das ständige Voranschreiten, ein Moment anzuhalten. Das ist übrigens auch ein wichtiger Aspekt der Achtsamkeitspraxis: einen Moment innehalten und bei sich ankommen. 

Also: 1 Minute innehalten. Lesen Sie das Kästchen einmal durch und nehmen Sie sich die 1 Minute, um es zu probieren:

Schließen Sie die Augen und verändern Sie nichts.
Nehmen Sie die Körperhaltung wahr, in der Sie sich gerade befinden, die Sitzfläche, den Boden.
Und nun richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem - so, wie er jetzt gerade ist. Sie müssen nichts daran korrigieren. Bleiben Sie mit Ihrer bewussten Wahrnehmung dabei, spüren Sie, wie Sie einatmen und wieder ausatmen. Nur das.
Wenn die Gedanken auf Wanderschaft gehen, was sie auch während einer kurzen Minute versuchen werden, nehmen Sie kurz wahr, dass Sie gerade gedacht haben und kehren dann zurück zum Atem.
Einatmen … ausatmen … 1 Minute lang.

Was haben Sie erlebt? Unruhe, Momente der Stille, Ungeduld, viele Gedanken …? All das kann auftauchen - es gibt kein richtig oder falsch, nur ein freundliches Wahrnehmen, was ist.
Können Sie sich vorstellen, dass diese Momente des Innehaltens kleine Inseln der Ruhe in den hektischen Alltag bringen können? Mit ein wenig Entschlossenheit und etwas Übung können Sie sich immer wieder kurz mit sich selbst treffen: Alles, was Sie dazu brauchen, haben sie immer dabei: den Atem.

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